Legionellen und Temperatur: Welche Werte Ihre Anlage einhalten muss

Temperatur ist der wirksamste Schutz gegen Legionellen – und gleichzeitig der häufigste Mangel, den wir bei Begehungen in Bayern finden. Hier finden Sie alle verbindlichen Werte, die richtigen Messpunkte und die typischen Fehlerquellen.

Die Kernwerte auf einen Blick

Vorgeschriebene Temperaturen in Trinkwasserinstallationen
MesspunktSollwertBedeutung
Austritt Trinkwassererwärmer≥ 60 °CDauerhaft, nicht nur zeitweise
Zirkulationsrücklauf≥ 55 °CMax. 5 K Abkühlung im System
Warmwasser an der Entnahme≥ 55 °C nach 30 sAuch an der entferntesten Zapfstelle
Kaltwasser an der Entnahme≤ 25 °C nach 30 sZielwert unter 20 °C
Thermische Desinfektion≥ 70 °CMind. 3 Minuten an jeder Entnahmestelle

Warum 60 °C und 55 °C – die Wachstumszone

Legionellen vermehren sich am stärksten zwischen 25 °C und 45 °C. Unterhalb von 20 °C ruhen sie weitgehend, oberhalb von 55 °C hört das Wachstum auf, ab 60 °C sterben sie ab. Genau deshalb ist die Regel simpel: Kaltwasser muss kalt bleiben, Warmwasser dauerhaft heiß. Jeder Bereich dazwischen – lauwarme Steigleitungen, zu lange Stichleitungen, abgesenkte Speichertemperaturen zur Energieeinsparung – ist eine Brutzone.

Die fünf häufigsten Temperaturfehler in der Praxis

  1. Nachtabsenkung des Speichers. Spart wenig Energie, hebelt aber den gesamten Legionellenschutz aus. Die Pumpe darf maximal 8 Stunden am Tag stillstehen.
  2. Nicht abgeglichene Zirkulation. Ein einzelner Strang unter 55 °C reicht für einen positiven Befund im gesamten Haus.
  3. Kaltwasser neben heißen Leitungen. Gemeinsame Schächte ohne Dämmung heizen das Kaltwasser über 25 °C auf.
  4. Tote Leitungen. Nicht genutzte Stränge kühlen aus und werden nie durchspült – klassischer Ausgangspunkt eines Befalls.
  5. Messung an der falschen Stelle. Gemessen wird am Austritt des Erwärmers, im Rücklauf und an der entferntesten Entnahmestelle – nicht am nächstbesten Waschbecken.

Pflichten für Vermieter und Betreiber

Betreiber von Großanlagen – also Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung ab 400 Litern Speichervolumen oder mehr als 3 Litern Leitungsinhalt – müssen alle drei Jahre auf Legionellen untersuchen lassen. Bei gewerblicher oder öffentlicher Nutzung (Kitas, Pflegeheime, Hotels) gelten kürzere Intervalle. Werden dabei Temperaturmängel festgestellt, sind Sofortmaßnahmen, eine Gefährdungsanalyse und eine Meldung ans Gesundheitsamt fällig.

Häufige Fragen

Bei welcher Temperatur sterben Legionellen ab?
Ab etwa 55 °C stellen Legionellen das Wachstum ein, ab 60 °C sterben sie innerhalb weniger Minuten ab. Bei 70 °C erfolgt die Abtötung nahezu sofort – darauf basiert die thermische Desinfektion.
Welche Temperatur muss der Warmwasserspeicher haben?
Am Austritt des Trinkwassererwärmers müssen dauerhaft mindestens 60 °C anliegen. In Kleinanlagen sind 50 °C zulässig, empfohlen werden aber auch dort 60 °C.
Wie warm darf Kaltwasser maximal sein?
Kaltwasser soll 30 Sekunden nach dem Öffnen der Entnahmestelle höchstens 25 °C betragen, Zielwert sind unter 20 °C. Zu warmes Kaltwasser ist eine der häufigsten Ursachen für Legionellenbefall.
Was gilt für die Zirkulation?
Das Wasser im Zirkulationssystem darf um maximal 5 Kelvin abkühlen – der Rücklauf muss also mindestens 55 °C erreichen. Die Zirkulationspumpe darf höchstens 8 Stunden pro Tag abgeschaltet werden.

Unsicher, ob Ihre Anlage die Werte hält?

Mit unserem PreCheck prüfen wir Temperaturen, Zirkulation und Anlagentechnik, bevor die offizielle Legionellenprüfung läuft – so vermeiden Sie einen positiven Befund und die Folgekosten.